Gemeinde Kissing

1986, im Jahre des 250. Geburtstages, errichtete die Gemeinde Kissing zum Gedenken an seinen "berühmtesten Sohn", den Bayerischen Hiasl, einen Gedenkstein an der alten Schule in der Bachernstraße
 

Das Leben des Bayrischen Hiasl    (Download als Word-Dokument)

Am 3. September 1736 wurde Mattheus Klostermayr, berühmt geworden als "Bayrischer Hiasl", in Kissing geboren. wuchs bei seinem Taufpaten Michael Ableitner auf, hütete im Sommer das Vieh und half im Winter am Spinnrad. Dem Jäger Wörsching diente er als Jagdgehilfe und konnte schon bald einer fliegenden Taube den Kopf abschießen. Als Jugendlicher genoss er im Schloss Mergenthau eine gute Ausbildung, musste jedoch von dort fort, weil er im Fasching den ehrwürdigen Pater Venantius als einen "Katzenschützen" bezeichnete, hatte dieser doch im Jagdeifer im Heilachwald anstelle eines Hasen eine Katze erlegt. Als sich Hiasl als Oberknecht beim Scheransen-Bauern Baumiller verdingte, fing er zu wildern an. Baumiller sah das gar nicht gern, noch viel weniger gefiel ihm, dass seine junge Tochter Monika und der Hiasl ein Liebespaar wurden. Die Bauern verehrten den Hiasl, weil er durch seine Wilderei das von den hohen Herrn zum Befriedigen der Jagdlust eingesetzte, sich rasch vermehrende Wild abschoss, somit die Ernte rettete und die Beute den armen Bauernfamilien gab. Wegen seiner Wilddiebereien verfolgt, fühlte sich Hiasl im Bairischen nicht mehr sicher und rettete sich durch einen kühnen Sprung in den Hochwasser führenden Lech ins schwäbische Oberottmarshausen, schloss sich für kurze Zeit dem verbrecherischen Krätzenbuben Bobinger an, von dem er sich jedoch schnell distanzierte. Hiasl wollte Anführer einer "gerechten" Räuberbande sein. Während er eine Strafe von einem dreiviertel Jahr im Zuchthaus zu München verbüßte, gebar im Monika seinen Sohn Korbinian. Der Kurfürst von München bot Hiasl sofort nach der Haftentlassung eine Anstellung als kurfürstlicher Jäger an. Auf Drängen seiner Kumpane blieb er aber mit ihnen zusammen. Zur Verfolgung der Hiasl-Bande schlossen die damaligen kleinen Territorien sogar "Staatsverträge" ab. Das Ulmer Patent vom 22. Juni 1769 lautet, dass ".wo ein Wilderer aufgefangen wird, derselbe ohne weitere Formalität eines Prozesses aufzuhängen ist." Eines Tages, als sein Kamerad "Sternputz" ein besonders schönes Stück Wild zum vereinbarten Treffpunkt brachte, wurde er von einem Jäger erschossen. Hiasl eilte hinzu und versprach seinem Kameraden ins tote Angesicht, ihn zu rächen. Er konnte es nicht fassen, dass ein Stück Wild mehr wert sein sollte, als ein Menschenleben. Dies war der Wendepunkt im Leben des Wildschützen: Fortan beschränkte er seine Raubzüge nicht mehr nur auf den Wald, sondern überfiel Amtsstuben und andere öffentliche Einrichtungen und raubte sie aus. Ein am25. November 1770 vom kurfürstlichen Kammergerichtsrat Hemmer in München unterschriebener Steckbrief ermächtigte jeden, den Bayrischen Hiasl "tot oder lebendig" an die nächste Behörde einzuliefern. Dem hochfürstlich Dillingischen Premierleutnat Schedl gelang es mit seinen Mannen am 14. Januar 1771 Hiasl im Wirtshaus zu Osterzell nach vierstündigem Feuergefecht gefangen zunehmen. Er wurde ins Gefängnis nach Buchloe und von dort zur Richtstätte nach Dillingen an der Donau gebracht. Auf dem langen Weg dorthin erlebte er von seinen Mitmenschen Hass und Zuneigung, Befriedigung über seine Festnahme und Bewunderung für seine Taten. Dem Bayrischen Hiasl und seiner Bande wurden insgesamt 50 Straftaten im gesamten Allgäu, in Augsburg-Land und -Stadt, in Dillingen, Günzburg, Neu-Ulm, und Fürstenfeldbruck vorgeworfen. Vier seiner Kumpane, darunter auch der "Bua", konnten mit Hilfe von Studenten aus Dillingen fliehen. Hiasl schrieb aus dem Gefängnis an seinen Sohn, dass es sich nicht lohnt, gewalttätig zu sein, denn Gewalt erzeugt wiederum Gewalt. Die Hinrichtung Hiasls am 6. September 1771 an der Donaubrücke in Dillingen erfolgte unter großer Anteilnahme der aus ganz Bayern gekommenen Bevölkerung, auch 14 Kissinger waren dabei. Er wurde in eine frische Kuhhaut gewickelt, auf ein hölzernes Gestell gelegt und mit zwei Pferden zur Richtstatt geschleift, dort auf die Radbrechmaschine gespannt und mit einen Strick von unten erdrosselt. Nach seinem Tod wurde mit der Schneide des Rads sein Körper gevierteilt, diese vier Teile zur Abschreckung an den Landstraßen aufgehängt, die Eingeweide unter dem Galgen begraben, der Kopf auf den Galgen gesteckt. Hiasls letzte Worte vor seiner Hinrichtung waren: "Dem Menschen ist es gesetzt zu sterben und auch von denen, die mich gerichtet haben, wird in 50 Jahren gewiss keiner mehr am Leben sein!"

Die Verehrung des Bayrischen Hiasl war damals weit über die Grenzen Bayerns hinaus sehr groß und sein Andenken wurde alle Zeit gewahrt. Der "Historischen Förderverein Bayrischer Hiasl Kissing e.V.", dessen Mitglieder sich zur Aufgabe gemacht haben, das Leben und Wirken des Hiasls und die Geschichte Kissings für die Nachwelt zu erhalten, setzt alles daran, dass dieser "Bayrische Robin Hood" nicht in Vergessenheit gerät.

   

 Das Bayrisch-Hiasl-Lied

 
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